Leistungskatalog im Handwerk erstellen: So startest du mit 20 guten Positionen
Ein brauchbarer Leistungskatalog beginnt nicht mit hunderten Einträgen. Starte mit deinen häufigsten Leistungen und pflege Umfang, Einheit, Preisbasis und Prüftermin einheitlich.

Einen Leistungskatalog im Handwerk erstellst du am besten nicht vollständig auf einmal. Beginne mit etwa 20 Leistungen, die in deinen Angeboten regelmäßig vorkommen. Lege für jede Position eine eindeutige Bezeichnung, den Leistungsumfang, die Einheit, die interne Preisgrundlage, den Verkaufspreis und einen Prüftermin fest. Verwende diese Positionen in echten Angeboten und verbessere sie anhand der Rückfragen aus Büro und Baustelle.
Was ist ein Leistungskatalog im Handwerk?
Ein betrieblicher Leistungskatalog ist deine wiederverwendbare Sammlung aus Leistungen, Produkten und Angebotspositionen. Er hält fest, wie dein Betrieb wiederkehrende Arbeiten bezeichnet, abgrenzt und kalkuliert.
Der Katalog ist nicht dasselbe wie ein projektbezogenes Leistungsverzeichnis. Ein Leistungsverzeichnis beschreibt die Leistungen eines konkreten Auftrags. Der interne Katalog liefert dafür geprüfte Bausteine, die du an Menge, Ausführung und Baustellensituation anpasst.
Er soll drei praktische Fragen beantworten:
- Welche Position passt zu dieser Anfrage?
- Was ist enthalten und was nicht?
- Welche Angaben und Preise müssen vor dem Angebot nochmals geprüft werden?
Diese Angaben braucht eine gute Katalogposition
| Feld | Was du festhältst |
|---|---|
| Kurzbezeichnung | Eindeutiger Name, den Büro und Fachpersonal gleich verstehen |
| Kategorie | Gewerk, Arbeitsbereich oder Leistungsgruppe |
| Beschreibung | Was ausgeführt oder geliefert wird |
| Einheit | Zum Beispiel Stunde, Stück, Laufmeter, Quadratmeter oder Pauschale |
| Enthalten | Arbeitsschritte und Nebenleistungen, die berücksichtigt sind |
| Nicht enthalten | Leistungen, die separat angeboten oder geklärt werden |
| Kalkulationsgrundlage | Hinterlegte Zeit, Material, Gerät oder Fremdleistung |
| Verkaufspreis | Preis auf einer einheitlichen Basis, zum Beispiel netto |
| Preisstand | Datum der letzten Prüfung |
| Verantwortlich | Person, die Text und Preis fachlich pflegt |
Halte interne Kalkulationsangaben und den sichtbaren Angebotstext getrennt. Der Kunde braucht eine klare Beschreibung. Dein Betrieb braucht zusätzlich die nachvollziehbare Grundlage des Preises.
Leistungskatalog in sechs Schritten aufbauen
1. Wiederkehrende Positionen sammeln
Nimm abgeschlossene und angenommene Angebote der vergangenen Monate zur Hand. Markiere häufig verwendete Leistungen und starte mit den Positionen, die einen großen Teil deiner täglichen Arbeit abdecken.
Übernimm alte Texte nicht ungeprüft. Doppelte Positionen, veraltete Preise und kundenspezifische Sonderformulierungen gehören nicht automatisch in den Standard.
2. Leistungen sinnvoll gruppieren
Ordne die Einträge nach einer Struktur, die zu eurem Ablauf passt. Ein Installationsbetrieb könnte zum Beispiel mit diesen Gruppen arbeiten:
- Arbeitszeit und Regie
- Anfahrt und Baustelleneinrichtung
- Demontage und Entsorgung
- Rohinstallation
- Montage und Inbetriebnahme
- Wartung und Prüfung
Verwende wenige verständliche Gruppen. Eine tiefe Unterteilung hilft nur, wenn das Team die gesuchte Position dadurch schneller findet.
3. Umfang und Grenzen beschreiben
„Montage Waschbecken“ ist zu offen. Es bleibt unklar, ob Armatur, Anschlussmaterial, Silikonfuge, Demontage und Entsorgung enthalten sind.
Beschreibe den normalen Leistungsfall und nenne wichtige Grenzen. Was regelmäßig zusätzlich anfällt, bekommt eine eigene Position oder einen klaren Prüfhinweis.
4. Einheit und Kalkulationsgrundlage festlegen
Wähle eine Einheit, die zur Leistung passt und später nachvollziehbar abgerechnet werden kann. Eine Position pro Stück braucht eine andere Grundlage als eine Position pro Laufmeter oder Stunde.
Der Preis sollte aus den eigenen Unternehmensdaten entstehen. Der Preisrechner der Wirtschaftskammer Österreich bezieht dafür unter anderem Fixkosten und geplanten Unternehmerlohn ein und weist darauf hin, dass vereinfachte Rechenmodelle nur eine Orientierung liefern. Für deinen Katalog brauchst du daher eure tatsächlichen Kosten, Leistungswerte und betrieblichen Zuschläge.
Prüfe außerdem, ob Material, Anfahrt, Geräte oder Entsorgung bereits enthalten sind. Jede Kostenposition soll in der Kalkulation genau einmal vorkommen.
5. Preisstand und Prüftermin ergänzen
Ein Preis ohne Datum wirkt länger aktuell, als er tatsächlich ist. Ergänze bei jeder Position den Preisstand und einen verantwortlichen Bearbeiter.
Lege fest, wodurch eine Prüfung ausgelöst wird. Das kann ein neuer Lieferantenpreis, ein geänderter Stundensatz, eine auffällige Abweichung in der Nachkalkulation oder ein regelmäßiger Kontrolltermin sein.
6. Mit echten Angeboten testen
Verwende die ersten Positionen in neuen Angeboten. Notiere jede Stelle, an der das Büro nachfragen, einen Text ergänzen oder den Preis außerhalb des Katalogs korrigieren musste.
Prüfe nach der Ausführung, ob Zeit und Material realistisch angesetzt waren. Der Soll-Ist-Vergleich in der Nachkalkulation zeigt dir, welche Positionen angepasst werden müssen.
Vereinfachtes Praxisbeispiel
Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Preise und Zeiten fehlen bewusst, weil sie aus dem jeweiligen Betrieb und dem konkreten Leistungsfall kommen müssen.
Zu ungenau:
Waschtisch montieren, 1 Stück
Als Katalogbaustein klarer:
Bezeichnung: Waschtisch an vorbereiteten Anschlüssen montieren
Einheit: Stück
Enthalten: Waschtisch befestigen, vorhandene Armatur und Ablaufgarnitur montieren, an vorbereitete Wasser- und Abwasseranschlüsse anschließen, Funktion und Dichtheit im Rahmen der Montage prüfen
Nicht enthalten: Demontage und Entsorgung des Altbestands, Änderungen an Leitungen, Kernbohrungen, Sonderbefestigungen sowie Behebung nicht erkennbarer Schäden
Prüfhinweis: Modell, Befestigungsgrund, Anschlusslage und bauseitige Voraussetzungen vor Angebotsabgabe kontrollieren
Preisstand: Monat und Jahr der letzten Prüfung
Die Position muss an eure Arbeitsweise und den angebotenen Umfang angepasst werden. Ihr Nutzen liegt darin, dass der normale Fall und die offenen Prüfungen getrennt sichtbar sind.
Fünf typische Fehler
Der Katalog soll sofort vollständig sein
Hunderte Positionen am Anfang erschweren den Start. Beginne mit den häufigsten Leistungen und erweitere den Katalog im laufenden Einsatz.
Gleiche Leistungen haben mehrere Namen
Wenn „Monteurstunde“, „Facharbeiter“, „Montagezeit“ und „Regiestunde“ dasselbe meinen, entstehen Dubletten. Lege eine Bezeichnung fest und archiviere veraltete Varianten.
Der sichtbare Preis hat keine Grundlage
Ein kopierter Marktpreis sagt nichts über eure Kosten. Hinterlege die interne Kalkulation oder einen nachvollziehbaren Verweis auf die Preisgrundlage.
Sonderfälle werden zum Standard
Eine Position aus einem schwierigen Einzelprojekt ist nicht automatisch eine Vorlage für jeden Auftrag. Trenne Standardleistung, Option und projektspezifische Ergänzung.
Niemand ist für die Pflege zuständig
Ohne Verantwortung bleiben Texte und Preise veraltet. Weise jeder Leistungsgruppe eine Person zu und dokumentiere die letzte Prüfung.
Vom Katalog zum vollständigen Angebot
Der Leistungskatalog liefert Bausteine, ersetzt aber nicht die Prüfung des konkreten Auftrags. Mengen, Zugänglichkeit, Ausführungsqualität, Termine, Vorleistungen und Schnittstellen unterscheiden sich von Projekt zu Projekt.
Nutze vor dem Versand zusätzlich die Checkliste für Angebote im Handwerk. Sie hilft dir, Leistungen, Abgrenzungen und offene Punkte für den einzelnen Auftrag zu kontrollieren.
Wie CAP den Leistungskatalog unterstützt
CAP beschreibt den Katalog in der aktuellen Funktionsübersicht als zentralen Bereich, in dem Produkte und Leistungen gepflegt und wiederverwendet werden. Angebote, Rechnungen, Projekte und Auswertungen liegen im selben Workspace.
Die fachliche Kalkulation nimmt dir ein Katalog nicht ab. Er sorgt aber dafür, dass geprüfte Bezeichnungen, Einheiten und Preise nicht in alten Dokumenten verstreut bleiben. Starte mit den 20 häufigsten Positionen, bestimme je Leistungsgruppe eine verantwortliche Person und verbessere den Bestand mit den Erkenntnissen aus den nächsten Angeboten und Nachkalkulationen.


